Gans

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Keyword: Gans

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Definition: Paarbildender Zugvogel aus der Gattung der Gänsevögel.

Information: Die Stammform der Hausgans ist die Graugans, die die Wintermonate in Nordafrika überwintert.

Interpretation: Mit der Gans als Haustier können weiblich-mütterliche Aspekte des Wärmens (Federn), Nährens (Fleisch und Eier) und Behütens verbunden werden. Gänse wurden wegen ihrer Wachsamkeit vor den Stadttoren gehalten. In Verbindung mit den ägyptischen Schöpfungsmythen spielt die Gans eine wichtige Rolle als Urgans, die als Weltenschöpfer das Welten-Ei legt, aus dem die Sonne, Amon-Re, geschlüpft ist. Die Gans ist ein Attribut des Erdgottes Seb bzw. Geb. Den Urgott Amun selbst dachte man sich in der Erscheinungsform einer Gans In der griechischen Mythologie sind die Gänse großen weiblichen Gottheiten heilig, der Nemesis, welche die Gesetze der Natur schützt oder der Aphrodite, die über Schönheit, Eros und Fruchtbarkeit wacht. Gänse wurden auch dem phallischen Fruchtbarkeitsgott Priapos zugeordnet, gelegentlich auch Hera und Mars. Aber auch Frau Holle, der Frau Hulda der germanischen Mythologie, sind die Gänse heilig. Wildgänse galten in Ägypten und bei nordasiatischen Völkern als Mittler zwischen Erde und Himmel (Schamanismus), in China gilt die Wildgans als Himmelsvogel. In der indischen Mythologie ist die Wildgans oder der wilde Ganter ein Gefährt von Brahma, dem schöpferischen Prinzip, dem aus sich heraus Seienden. Die Gans bedeutet auch Freiheit von Gebundensein; Geistigkeit; Hingabe; Gelehrsamkeit. Als wichtiger Nahrungsspender bereicherte die Hausgans im Winter die bürgerlich-bäuerliche Festtafel und wurde in christlichen Legenden eingewoben: St. Martin habe aus Bescheidenheit, sich weihen zu lassen, sich im Gänsestall verborgen, wobei ihn jedoch das aufgeregte Geschnatter der Tiere verriet. Das Essen der Martinsgans wurde als "Rache" an den Haustieren erklärt.

Da Gänse den alten vorchristlichen Göttinnen heilig waren, wurden sie später oft mit weisen Frauen und Hexen in Verbindung gebracht, wie (Enten) gehören Gänse oft zu deren Herde z. B. der russischen Hexe Baba Jaga, die selbst manchmal Gänsefüße hat. Auch die hexenhafte Alte (in Grimm KHM Nr. 179 " Die Gänsehirtin am Brunnen") lebt mit einer Herde Gänse in einer Einöde. Die Aufgabe der Heldin dieses Märchens wie auch die der "Gänsemagd" (KHM Nr. 89 "Die Gänsemagd) besteht darin, Gänse zu hüten, was als "Dienst an der Göttin" (vergl. I. Riedel "Frau Holle" Kreuz 1995 S. 43), als Aufgabe, die eigenen Weiblichkeit zu entfalten verstanden werden kann. Als eine Art Schatz wird die "Goldene Gans" (KHM Nr. 64) vom Dummling unter einer Baumwurzel gefunden, die ihm hilft das Interesse der Königstochter zu gewinnen und die Königswürde zu erlangen (Anima- und Selbstaspekte). In der Erzählung vom Selma Lagerlöff "Nils Holgersohn wundersame Reise mit den Wildgänsen" können Gänse als überpersönlicher archetypischer Aspekt des großen Mütterlich/ Weiblichen verstanden werden. Das sogenannte "Gänsespiel" ist ein uraltes Spirallaufspiel (Gesellschaftsspiel), was mit Geldeinsätzen ursprünglich von Erwachsenen gespielt wurde. Über eine Spirale als Symbol für den Lebensweg mit archetypischen Motivfeldern, die beim Vorwärtskommen helfen oder Hindernisse darstellen, muss der Lebensweg mit seinen Höhen und Tiefen gemeistert werden. Auch Goethe scheint die symbolische Bedeutung des Spiels gekannt zu haben, denn er schrieb im fernöstlichen. Diwan: "Das Leben ist ein Gänsespiel". In einem anderen sehr alten Brettspiel "Fuchs und Gänse" (Belagerungsspiel) kämpft eine kleine Minderheit gegen eine zahlenmäßige überlegene, aber weniger bewegliche Übermacht. Der (Fuchs) wird hier, wie häufig in Mythen und Märchen, als meist überlegener Gegner der Gänse dargestellt. Nach Äsops Fabel schlachtet ein Mann aus Habgier die Gans, die goldene Eier legt, im Glauben, in ihrem Innern befinde sich ein Klumpen Gold. Von daher bedeutet: "Die Gans schlachten, die goldene Eier legt", dass es nicht sinnvoll ist, sich etwas zu entledigen, was einem nur Vorteile bringt. Kichernde junge Mädchen oder Frauen werden gelegentlich. mit dem Schimpfwort "Gänse" oder "dumme Gänse" bezeichnet.

Die Gans gehört als Symboltier mit ihren Qualitäten des Nährens, Wärmens, Behütens und der Fruchtbarkeit zum positiven Bereich des großen Mütterlich-Weiblichen. Als Wasservögel sind Gänse wie Enten und Schwäne mit dem Element des Wassers vertraut, gründeln jedoch auch gerne im Schlamm, waten im Morast und wühlen im Schmutz. Neben ihrer positiven Symbolik können Gänse auch mit schattenhaften Aspekten des Weiblichen, der "Hexenseite", der "schlammigen" archaischen Seite von Eros und Sexualität in Verbindung gebracht werden. Gänse verkörpern auch aggressiv-phallische Energien, da sie unangenehm fauchen und mit ihren Schnäbeln schmerzhafte Hiebe verteilen können.

Eine eher gehemmte Jugendliche, die sich in ihren Therapiestunden eine zeitlang mit Gänsen beschäftigt hatte, berichtete neidvoll von der Beobachtung einer Gänseherde im Urlaub: "Die spielten sich so auf, dass man hätte meinen können, jede sei die Wichtigste und Schönste. Da war heftigste Konkurrenz, Geschrei und Flügelschlagen, wer zuerst den besten Platz am Brunnen oder am Futternapf bekommt. Ich wäre froh, wenn ich ein bisschen was von denen hätte!" Ihr Wunsch, etwas mehr von dem Gehabe der Gänse zu haben, kann bedeuten, eigene narzisstische und aggressive Tendenzen im Sinne von Selbstdarstellung, sich wichtig nehmen, seinen Platz behaupten und Mut zur Rivalität zu entwickeln.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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