Löwe

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Keyword: Löwe

Links: Aggression, Heros-Prinzip, Libido, Sonne, Tier

Definition: Eine Löwe ist ein (in Afrika heimisches) großes katzenartiges Raubtier mit kurzem graugelbem bis ockerfarbenem Fell, langem Schwanz und beim männlichen Tier langer Mähne um Nacken und Schultern.

Information: Der Löwe (lat. leo), wird als höchst eindrucksvolle Skulptur und Zeichnung schon in Höhlen des Aurigiacien (ca 35 000–25 000 v. Chr.) gefunden (z. B. Löwenkopf, löwenköpfiger Mensch im Lonetal, Schw. Alb). Wie in Trois Frères (Magdalénien, 18 000-14 000 v. Chr.) sind die frühen Darstellungen mähnenlos, d. h. verm. Löwinnen. Die ägypt. Löwengöttin Sachmet ist Kriegs- und Todesgöttin, im Altertum ist die Löwin jedoch auch als Geburtshelferin bekannt (B. Johnson). Im Physiologus (2. Jh. n. Chr.) ist es der Blick der Löwin (Symbol d. Hl. Geistes), der das Geistlicht im totgeborenen Jungen festhält und der Hauch des Löwen (Symbol d. Wortes), der ihn vollends zum Leben erweckt.

Interpretation: Als wilde Tiere sind Löwe/Löwin Symbole der ("fiebrigen") Libido, in welcher die elementare Begierde und Begeisterung zu leben und wirksam zu werden, heiß wie das Feuer der Sonne lodert, wobei sie auch in triumphale Zerstörung (s. ägypt. Sachmet) umschlagen kann. Als solares Prinzip ist dem Löwen die Geburt in ein vom Willen des Geistes geprägtes Dasein eingeschrieben, das Phasen der Zerstörung und Transformation der urtümlich triebhaften "niederen" Ebene durchläuft.

Das Symbol des Löwen ist ambivalent und weitgespannt. Bereits in vorchristlicher Zeit universales Bild des königlichen Herrschers als Inkarnation oder Stellvertreter der (Sonnen-) Gottheit, was sich zitathaft bis in die Heraldik des 19. Jh. durchgehend gehalten hat. Das im Orient sehr verbreitete Motiv des Löwen, der ein Rind oder anderen Hornträger schlägt, kann als Symbol der Überwindung des sesshafteren (mondorientierten) Stier-Zeitalters durch eine mehr erobererhaft kämpferisch-solare kollektive Mentalität interpretiert werden.

Doppellöwen als Attribut oder symm. Anordnung an Palastportalen, Aufgängen etc. unterstreichen die Macht über Leben und Tod bzw. irdisches und himmlisches Reich, also absoluter Herrschaft. Tod-, Wandlungs- und Jenseits- bzw. Auferstehungssymbolik bestimmen Wächterfiguren an Tempeln von der Vorantike bis zu den christl. Kathedralen, desgl. Löwe an Brunnen, Wasserspeier i. S. des sich aus sich selbst erneuernden Lebens, auch des geistlichen.

Im Mithras Kult ist Leo der 4. Einweihungsgrad (Löweprozession in St. Prisca, Rom; vgl. R. Merkelbach, S. 101 ff).

In der christl. Ikonographie ist der Löwe bald ein Bild des Teufels und seines verschlingenden Rachens (1. Petr. 5, 8), bald des auferstandenen Christus, des Erlösers und Heilbringers, der diesen Dämon (seinen "Schatten") überwunden hat (Löwe aus dem Stamm Juda, Off. 5, 5). Der Löwe ist eines der vier Gesichter des Tetramorphs (Ez. 1, 5 ff), und Begleiter/Repräsentant des Evangelisten Markus. Löwen, die den Thron der thronenden Madonna flankieren werden als verborgene Christuskraft interpretiert (LCI), welche durch Maria-Sapientia zur Welt kommt. Sie bilden ein Rück-Verbindungsglied zum immanenten Geist- und Wandlungsaspekt der Magna Mater (Inanna, Ishtar, Kybele, Aphrodite etc.) auf dem Löwenthron, welches ikonographisch bis Catal Hüjük (7000 v. Chr.) zurückreicht. Der löwenhäuptige Kronos ist Aion, Herr des Überzeitlichen. In der Alchemie ist der Löwe ein Bild des Schwefels (sulphur rubeus = ungeflügelter Löwe; sulphur album = geflügelte Löwe in), ebenfalls der Arkansubstanz.

Die Wandlungsenergie des Mercurius erscheint als grüner oder roter Löwe, der grüne ist die "niedere", dämonisch-drachenhafte Stufe, aber auch Selbst-Erneuerungskraft. Psychologisch entspricht dem grünen Löwe ebenso wie den streitenden Löwe die vorbewusste ungezügelte Leidenschaft, die transformiert werden muss, um solare Reife zu erlangen (GW 14/II, § 64 ff). Auch im Traum ist der Löwe häufig eine gefährlich verschlingende Triebenergie, die den Durchbruch zu neuer Integrationsstufe sucht. Der Löwe im Märchen und in der Fabel ist König der Tiere.

Das archetypische Feld umfasst positiv Löwe, Lebenskraft, Libido, Sonne, Herz, Licht, Sonnengötter, König, Gold, Glanz, Schatz, "göttlicher Funke", göttliches Kind usw."Löwenmut" zu beweisen, in "die Höhle des Löwen" zu gehen, zu "kämpfen wie ein Löwe" heißt das Optimum an Tapferkeit und Willenskraft aufzubieten. Kampf und Überwindung d. Löwe ob physisch (Herakles, Simson) oder geistig (Hieronymus) zeigt den Sieg der Lichtkraft über die unbewusste Natur. Auch im 19. Jh. wurde Löwenjagd zum Statussymbol des imperialistischen Herrenmenschentums. Der Sieger eignet sich die Kraft des Besiegten an. Der Zirkusdompteur muss dagegen zuerst über sich selbst siegen. Wo sich die Werbung des Löwe bedient, geht es um die Suggestion von Machtaufladung.

Der Löwe in der Astrologie ist das 5. Zeichen im Jahreslauf und steht für die dynamische Hinausbewegung (lat. e-movere = hinaus bewegen), Verausgabung der in der Seelentiefe angesammelten Kräfte. Der zugehörige Planet ist Sonne, das Element Feuer, die Qualität fix (konzentriert). Allgemeine Grundprinzipien sind organisches Feuer, Kreativität, aktive Entladung, strahlkräftiger Ausdruck, Präsenz im Augenblick. Der Instinkt ist auf Daseins-Bemächtigung und Autonomie gerichtet, auf Spiel, sinnliche Erfüllung, Sexualität und schöpferische Selbstentäußerung, spielerische Ich-Entfaltung. Seelisches Bedürfnis liegt in der Ich-Zentrierung, in selbstbestimmtem Handeln, Ausdruck von Identität, Selbstdarstellung, Begeisterung. Die Handlungsart ist experimentierfreudig, risikobereit, unternehmungslustig, großzügig.

Schatten: Omnipotenzphantasien, narzisstische Selbstbespiegelung, Egomanie, Geltungssucht, unbeherrschte Emotionalität, Rücksichtslosigkeit.

Literatur: Standard

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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