Adam Kadmon: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Information:''' Dieser gemäß der aramäischen Wurzel "erste Mensch", der im kabbalistischen Grundwerk Sefer ha-Sohar (Buch des Glanzes) auch als "himmlischer, höherer Mensch" bezeichnet wird, meint die Urgestalt dessen, der als [[Adam]] alles umfasst, was als Schöpfung existiert. Unter strenger Berücksichtigung der Jenseitigkeit (Transzendenz) Gottes, dessen hebräischer [[Name]] (Jahve) nach jüdischer Auffassung nicht einmal ausgesprochen werden darf, stellt er sich selbst nicht dar. Er, der Unsichtbare, ist vielmehr nur anhand des Gleichnisbildes dieses geistigen Urmenschen zu beschreiben. Das geschieht anhand des zehngliedrigen [[Sefiroth]]-Baums, der zur Veranschaulichung der Emanationen oder Erscheinungsweisen des sonst nicht Nennbaren, Allheiligen dient.
 
'''Information:''' Dieser gemäß der aramäischen Wurzel "erste Mensch", der im kabbalistischen Grundwerk Sefer ha-Sohar (Buch des Glanzes) auch als "himmlischer, höherer Mensch" bezeichnet wird, meint die Urgestalt dessen, der als [[Adam]] alles umfasst, was als Schöpfung existiert. Unter strenger Berücksichtigung der Jenseitigkeit (Transzendenz) Gottes, dessen hebräischer [[Name]] (Jahve) nach jüdischer Auffassung nicht einmal ausgesprochen werden darf, stellt er sich selbst nicht dar. Er, der Unsichtbare, ist vielmehr nur anhand des Gleichnisbildes dieses geistigen Urmenschen zu beschreiben. Das geschieht anhand des zehngliedrigen [[Sefiroth]]-Baums, der zur Veranschaulichung der Emanationen oder Erscheinungsweisen des sonst nicht Nennbaren, Allheiligen dient.
  
'''Interpretation:''' Adam Kadmon ist damit zugleich das Urbild [[Adams]], d. h. des irdischen Menschen (Adam harischon), von dem das Buch Genesis berichtet."Der mystische und der irdische Mensch hängen demnach eng zusammen. Ihre Struktur ist die gleiche, und der irdische Mensch ist [ [...] ] das Kleid und die Verhüllung für den mystischen. Dieser Urzustand erklärt zugleich den Zusammenhang zwischen Sünde und Weltprozeß, von Moral und Physik. Da Adam alles wirklich und nicht nur in metaphorischer Weise umfaßte, mußte auch sein Fall nicht nur metaphorisch, sondern wirklich alles mit sich reißen und affizieren. Das Drama des Adam Kadmon auf der theosophischen Ebene wiederholt sich in rhythmisch gleichem Ablauf beim Drama des Adam Rischon auf der anthropologischen [ [...] ] " (Scholem, 1957. S. 307). Dieses Gleichnisbild ermöglicht es dem kabbalistischen Frommen, die Geheimnisbereiche der oberen Welten meditierend zu bedenken und gleichzeitig ein tieferes Verständnis für den Ursprung seiner eigenen gottebenbildlichen Existenz zu gewinnen.
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'''Interpretation:''' Adam Kadmon ist damit zugleich das Urbild [[Adam]]s, d. h. des irdischen Menschen (Adam harischon), von dem das Buch Genesis berichtet."Der mystische und der irdische Mensch hängen demnach eng zusammen. Ihre Struktur ist die gleiche, und der irdische Mensch ist [ [...] ] das Kleid und die Verhüllung für den mystischen. Dieser Urzustand erklärt zugleich den Zusammenhang zwischen Sünde und Weltprozeß, von Moral und Physik. Da Adam alles wirklich und nicht nur in metaphorischer Weise umfaßte, mußte auch sein Fall nicht nur metaphorisch, sondern wirklich alles mit sich reißen und affizieren. Das Drama des Adam Kadmon auf der theosophischen Ebene wiederholt sich in rhythmisch gleichem Ablauf beim Drama des Adam Rischon auf der anthropologischen [ [...] ] " (Scholem, 1957. S. 307). Dieses Gleichnisbild ermöglicht es dem kabbalistischen Frommen, die Geheimnisbereiche der oberen Welten meditierend zu bedenken und gleichzeitig ein tieferes Verständnis für den Ursprung seiner eigenen gottebenbildlichen Existenz zu gewinnen.
  
 
'''Literatur:''' Scholem (1957), Ariel (1993)
 
'''Literatur:''' Scholem (1957), Ariel (1993)
  
 
'''Autor:''' Wehr, Gerhard
 
'''Autor:''' Wehr, Gerhard

Aktuelle Version vom 14. Juli 2014, 17:13 Uhr

Keyword: Adam Kadmon

Links: Adam, Gott, Gottesbild, Kabbala

Definition: Adam Kadmon, in der Kabbala etwa seit dem 13. Jahrhundert eine Bezeichnung der Manifestationen Gottes in der anatomischen Symbolik des Menschen.

Information: Dieser gemäß der aramäischen Wurzel "erste Mensch", der im kabbalistischen Grundwerk Sefer ha-Sohar (Buch des Glanzes) auch als "himmlischer, höherer Mensch" bezeichnet wird, meint die Urgestalt dessen, der als Adam alles umfasst, was als Schöpfung existiert. Unter strenger Berücksichtigung der Jenseitigkeit (Transzendenz) Gottes, dessen hebräischer Name (Jahve) nach jüdischer Auffassung nicht einmal ausgesprochen werden darf, stellt er sich selbst nicht dar. Er, der Unsichtbare, ist vielmehr nur anhand des Gleichnisbildes dieses geistigen Urmenschen zu beschreiben. Das geschieht anhand des zehngliedrigen Sefiroth-Baums, der zur Veranschaulichung der Emanationen oder Erscheinungsweisen des sonst nicht Nennbaren, Allheiligen dient.

Interpretation: Adam Kadmon ist damit zugleich das Urbild Adams, d. h. des irdischen Menschen (Adam harischon), von dem das Buch Genesis berichtet."Der mystische und der irdische Mensch hängen demnach eng zusammen. Ihre Struktur ist die gleiche, und der irdische Mensch ist [ [...] ] das Kleid und die Verhüllung für den mystischen. Dieser Urzustand erklärt zugleich den Zusammenhang zwischen Sünde und Weltprozeß, von Moral und Physik. Da Adam alles wirklich und nicht nur in metaphorischer Weise umfaßte, mußte auch sein Fall nicht nur metaphorisch, sondern wirklich alles mit sich reißen und affizieren. Das Drama des Adam Kadmon auf der theosophischen Ebene wiederholt sich in rhythmisch gleichem Ablauf beim Drama des Adam Rischon auf der anthropologischen [ [...] ] " (Scholem, 1957. S. 307). Dieses Gleichnisbild ermöglicht es dem kabbalistischen Frommen, die Geheimnisbereiche der oberen Welten meditierend zu bedenken und gleichzeitig ein tieferes Verständnis für den Ursprung seiner eigenen gottebenbildlichen Existenz zu gewinnen.

Literatur: Scholem (1957), Ariel (1993)

Autor: Wehr, Gerhard