Boot

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Definition: Ein Boot ist ein kleines Schiff, oft mit begrenztem Einsatzgebiet, gedacht für kleinere, überschaubare Gewässer. Es ist aber auch Beiboot zu einem grösseren Schiff. Dort dient es meistens als Rettungsboot, dass eine Insel zum Überleben wird, wenn das große Schiff havarieren sollte.

Information: Es stellt neben dem Floß die ursprüngliche Form des von Menschen gebauten Wasserfahrzeuges dar. Diese waren zunächst schwimmende Baumstämme, die einzeln oder zum Floß verbunden schon in vorgeschichtlicher Zeit zum Überqueren von Flüssen dienten. Sehr alte Fahrzeuge auf Strömen und Seen in Mesopotamien, Ägypten und Peru wurden aus kunstvoll verschnürten Binsen- oder Papyrus-Bündeln hergestellt. Die Urform des eigentlichen Bootes ist wohl der Einbaum aus einem mit Hilfe von Feuer ausgehöhlten Stamm, ursprünglich weltweit verbreitet und heute noch in vielen tropischen Ländern zu finden. In der südamerikanischen "Geschichte von Haburi" wird beschrieben, wie alle anderen Boote untergehen und erst das aus dem Holz des Samauna-Baumes fahrtauglich ist für seine Flucht (von Beit, 1986, S. 127)

Interpretation: Das Boot ist in der Regel von seiner Konstruktion her eine "einfache Schale" ohne Abdeckung und hat keine oder wenige Aufbautendes grösseren Schiffes. Es ist Werkzeug von Händlern und Fischern, die mit ihren Lebensunterhalt verdienen. Es hilft das undurchschaubare, keinen Halt gebende Element Wasser zu befahren und ist eng mit dessen Symbolgehalt verbunden. Es bietet also auf engem Raum Schutz und Halt. Mehr noch als beim großen Schiff ist der Gebrauchswert des Bootes abhängig von der Geschicklichkeit seines Steuermannes.

Berthold Brecht drückt dies in seiner Parabel über die Fischer aus, die beim Aufziehen des Sturmes die Wahl haben auf das Meer hinauszufahren und mit ihrer Navigationskunst den Sturm zu bewältigen, mit dem Risiko unterzugehen und zu sterben. Brecht stellt diese Option der Aussicht auf ein armseliges und entbehrungsreiches Leben mit der Aussicht des Hungertodes gegenüber, das droht, wenn sich der Eigner des Bootes dieser Prüfung nicht stellt und dieses im Hafen durch den Sturm zerstört wird.

Das Boot wird in dieser Sichtweise zu einem Ort, wo der Einzelne oder auch eine Gruppe, auf sich gestellt, den letzten möglichen Schutz, aber auch das Werkzeug finden, einer immanenten existenziellen Bedrohung zu trotzen. Die Gruppe wird dabei durch die Hülle des Bootes angesichts der äußeren Bedrohung zu "einem handelnden Subjekt" (Redenart: "Wir sitzen alle in einem Boot").

Die Thematik dieses Symbolanteils wird auch in der Gegenwart in zahlreichen Motiven in unterschiedlichstem Kontext aufgegriffen. Politisch etwa, als der Schweizer Bundesrat Eduard von Steiger in einer Rede am 30. August 1942 auf einem Christlichen Blasmusikfest in Hürlikon/Schweiz unter dem Banner "Euer Meister Christus" stehend, versuchte, die umstrittene Flüchtlingspolitik im Umfeld des Zweiten Weltkrieges zu rechtfertigen: "Wer ein schon stark besetztes, kleines Rettungsboot [...] zu kommandieren hat, indessen Tausende von Opfern einer Schiffskatastrophe nach Rettung schreien, muss hart scheinen, wenn er nicht alle aufnehmen kann. Und doch ist er noch menschlich, wenn er beizeiten vor falschen Hoffnungen warnt und wenigstens die schon Aufgenommenen zu retten sucht". (Aus: "Fluchtziel Schweiz – DieGenfer Grenze im Zweiten Weltkrieg" von Claude Torracintaund Bernard Romy, SF/DRS 2002 (3sat, 2. 9. 2002).

Im bekannten Film des Regisseurs Markus Imhoof "Das Boot ist voll" wird eine Auseinandersetzung mit diesem Standpunkt dargestellt, hiervon ausgehend wird der Filmtitel zum synonym für die Problematik der Ab- und Ausgrenzung gegenüber anderen in der Zeit äußerer Bedrohung.

Den anderen Aspekt des nach innen Zusammenwachsens der Bootsinsassen zu einem handelnden Ganzen greift der verfilmte Roman des Autors Lothar-Günther Bucheim, "Das Boot" auf, der das Schicksal einer deutschen U-Boot Besatzung während des zweiten Weltkrieges zeigt.

Ein weiterer mit dem Symbol des Bootes verknüpfter Begriff ist derjenige der Reise. Symbolisch gilt das Boot schon seit den Ägyptern als Sinnbild für die Reise und damit auch für das Leben schlechthin, die Lebensfahrt. Bei den Ägyptern segelt der Sonnengott Re durch die Unterwelt, was im Buch Amduatund im Pfortenbuch dargestellt wird. Bevor der Sonnengott am Morgen als Skarabäus Cheprewiedergeboren wird, durchschifft er 12 Szenerien auf seiner Unterweltsfahrt.

Das Boot und die Kunst der Navigation erlaubte bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. den nördlichen Völkern (Normannen) Strecken zurückzulegen, die auf dem Landweg zu dieser Zeit kaum zu bewältigen waren. Im 8. -11. Jahrhundert überzogen diese unter dem Namen Wikinger bekannten Eroberer auf ihren Raub- und Siedlungszügen die gesamte bekannte Welt. Der fränkische Missionar Alkuin stellt 793 n. Chr. in seiner Chronik des ersten überlieferten Raubzuges auf die vor der Küste Nordost-Englands liegende Insel Lindisfarne verwundert fest, dass es kaum denkbar sei, dass Menschen derartige Entfernungen überwinden könnten wie diese Barbaren. Neben der ihnen nachgesagten Beutegier waren es hauptsächlich wahrscheinlich die kärglichen und rauen Lebensbedingungen ihrer Heimat, die die Wikinger antrieben, neue Siedlungsgebiete zu erobern. Die Reise im Boot wird in diesem Kontext synonym zu durchqueren großer Weiten, Entdeckung von Neuland und dem Erobern eines erweiterten Lebensraumes.

Eine weitere symbolische Verknüpfung besteht zwischen Boot und Sterben. Boote oder Barken dienten im Glauben der Ägypter den Toten zur Überfahrt in das Jenseits. Das "Totenboot" spielt auch im malaiischen, indonesischen, japanischen und germanischen Gebiet (Eliade 1994 S. 339f. ) eine große Rolle. Dies geht zurück auf die Sitte, die Toten in Booten auf dem Meer auszusetzen in der Annahme, sie kehren dann zurück in ein Land jenseits des Ozeans oder auf eine Insel im Meer, wie die Insel Avalon bei den Kelten.

Die Gefahr, die die Beschäftigung mit dem Unbewussten auch bedeutet, wenn nicht klar ist, wer das Steuer in der Hand hat, zeigt der Traum einer depressiven Patientin, der massive Angst auslöste: Sie war auf einem Segelboot auf einem See, als ein Sturm aufkam. Ein Freund war dabei. Er sagte, es mache ihm Spass. Nebenan war ein Segelboot, auf dem der Bundeskanzler war. Sein Boot hatte aber keine Beziehung zu ihrem Boot. Sie war dann auf dem Land an der Garageneinfahrt ihres Elternhauses. Links daneben war der See. Er grenzte unmittelbar an die Einfahrt. Sie schaute über die Mauer in den See und sah darin lauter leere Alkoholflaschen.

Literatur: Standard

Autor: Junghan, Marianne

Links: Außerirdischer Automatismen, psychomotorische Besucher, fremder Brief Engel Hermes Orientierungsfunktionen Intuition Kommunikation Medium

Definition: Ein Bote (ahd. boto, zu bieten im alten Sinne als wissen lassen, befehlen) ist der Überbringer einer Nachricht (ursprünglich: Nachrichtung, d. h., das, wonach man sich zu richten hat; später: Mitteilung, die bzgl. eines wichtigen Sachverhaltes den neuesten Stand vermittelt).

Information: Eine Botschaft (ahd. botoscaft, für den Empfänger bedeutungsvolle Nachricht) war lange Zeit die einzige Möglichkeit, Nachrichten über größere räumliche Distanzen zu vermitteln. Ihnen wurde mit banger Spannung, Ungewissheit und Angst entgegen gesehen, denn sie überbrachten schicksalhafte Glücks- und Heils- genau so wie Unglücks- und Todesbotschaften. Bedeutsame und geheime Nachrichten wurden früher oft von Kurieren (frz. courrier, lat. currere: laufen, rennen) und Geheimkurieren oder von reitenden Boten übermittelt, die Mythologie kennt die Götterboten wie etwa den griechischen Hermes. Die Volksweisheit kann beispielsweise aus Naturphänomenen Botschaften empfangen, erkennt Schwalben als Boten des Frühlings oder Schneeglöckchen als dessen Vorboten.

Aufgrund der Gewichtigkeit von Botschaften und der Vertrauensstellung, die Boten haben, ging der Begriff über auf die diplomatische Vertretung eines Staates im Ausland durch den Botschafter und auf das Gebäude, in dem sich diese Botschaft befindet. Staatschefs nutzen die Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmittel.

Der Post- oder Briefbote, der auch in schwierigen und unwägbaren Situationen seine Briefe zuverlässig zustellt, ist bis heute eine vertraute Institution. Unangenehme Botschaften persönlich zu überbringen, ist heute manchmal Aufgabe der Polizei.

Aus der Kommunikationspsychologie weiß man heute, dass zwischenmenschliche Botschaften auf den verschiedensten, häufig halb- und unbewussten Kanälen vermittelt werden: Mimik, Tonfall, Körpersprache, Geruch, Berührung, Ideen, Intuitionen.

Über die modernen Medien, zunehmend das Internet lassen sich Botschaften aller Art heute sehr rasch verbreiten, wobei aber die Zuverlässigkeit besonders im Internet nicht mehr kontrollierbar ist. Der Archetyp des Tricksters gewinnt im Internet an Raum.

Interpretation: Boten, als Übermittler einer Nachricht zwischen Sender und Empfänger geschaltet, sind eigentlich neutral. Sie sind zugleich tatsächliche oder potenzielle Mitwisser der Botschaft und diejenigen, die mit ihr konfrontieren. Deshalb müssen sie vertrauenswürdig und klug sein und die unterschiedlichsten Affekte aushalten.

In Märchen u. a. Geschichten wird das manchmal drastisch dargestellt, indem die Boten schlechter Nachrichten umgebracht oder ins Gefängnis gesteckt werden. Häufig müssen sie auf ihrem Weg mit widrigen Umständen kämpfen, z. B. weil ein Widersacher verhindern will, dass ihre Botschaft ankommt. Umgekehrt wird von ihnen erwartet, dass sie ihre Botschaft ans Ziel bringen, koste es, was es wolle. Der antike Marathonläufer war mit seiner Botenaufgabe so identifiziert, dass er – so die Legende – tot zusammenbrach, nachdem er die Botschaft übermittelt hatte.

In mythologischen Zusammenhängen kommen Botschaften und Boten auch aus dem Jenseits und von den Göttern. Die Tricksternatur des antiken Götterboten Hermes ist beim Überbringen gewichtiger, schicksalsentscheidender Nachrichten ambivalent: Sie verdeutlicht das in Bewegungsetzende von Botschaften, zugleich die Unbezogenheit des Botens als Übermittler sowie die potenzielle Unsicherheit und Täuschungskraft von Botschaften. Botschaften können fehlerhaft sein, jemand kann sie ausgetauscht haben oder sie können bewusste Desinformationen enthalten.

Die monotheistischen Weltreligionen kennen die Engel als Mittler zwischen Gott und den Menschen: Sie kündigen frohe Botschaft, z. B. die Geburt von Kindern, überbringen Rat, Trost, Schutz, drohen aber auch Unheil, Strafe und Vernichtung an.

Mythologische Botenfiguren und chiffrierte oder scheinbar klare Botschaften werden manchmal von Menschen auch in Träumen erlebt. Zufällig oder synchronistisch erscheinende Ereignisse, Fehlleistungen oder Intuitionen aus dem Unbewussten werden als Ausdruck und Botschaft einer höheren Macht erfahren und bewegen den Empfänger. Genau wie bei anderen symbolischen Äußerungen gibt es auch dabei keine eindeutig richtigen Interpretationen.

Persönlicher, menschlicher Bote sein, hat im Alltag des Computer- und Internetzeitalters anscheinend keine große Bedeutung mehr. Aber es gibt noch Botschaften, die persönlich überbracht werden, für die ein Übermittler in Anspruch genommen wird, vor allem, wenn es sich um Unglücks- und Todesbotschaften handelt. Die Fantasie, es könne klingeln und draußen eine fremde Person oder ein Polizist stehen, ist bei vielen Menschen mit einer Unheilsbotschaft verbunden. Die Vorstellung, jemandem eine Unglücksbotschaft überbringen zu müssen, lässt Menschen beklommen werden und erzeugt Angst.

Eltern, die sich im Streit befinden oder getrennt leben, missbrauchen – oft unbewusst – die zwischen ihnen sich bewegenden Kinder als Boten verbaler und nonverbaler Botschaften. Für die Kinder – manchmal auch noch, wenn diese erwachsen sind – ist das eine kaum aushaltbare Situation, weil sie nicht nur unbeteiligtes Übermittlungsmedium sind, sondern emotional Beteiligte. Jahrelang versuchen Kinder manchmal, in dieser Funktion gleichzeitig zu vermitteln und die Beziehung zwischen den Eltern oder innerhalb eines Familiensystems in Ordnung zu halten.

Pubertierende bewältigen ihre ersten noch unsicheren Beziehungs-Erfahrungen auch heute noch mit Hilfe von schriftlichen Botschaften, die sie nicht den elektronischen Medien anvertrauen. Oft sind es Freunde oder Freundinnen, die bereit sind, solche Botschaften mündlich oder auf kleinen Zetteln zu überbringen.

Träume werden in der Tiefenpsychologie häufig als "Botschaften" aus dem Unbewussten angesehen. Sie können uns über aktuelle Themen, Konflikte, Emotionen informieren, die uns während des Tages entgangen sind und denen wir dann zumindest in der Nacht eine Zeit der Aufmerksamkeit und Verarbeitung schenken müssen.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette