Einkaufen: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Definition:''' Einkaufen bedeutet, sich gegen Geld mit dem nötigen Bedarf an Waren zu versorgen. Ebenso werden Stars und Sportler eingekauft; einkaufen kann man sich auch z. B. in eine Organisation, vom Golfklub bis zum Aktienunternehmen.
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'''Definition:''' Einkaufen bedeutet, sich gegen Geld mit dem Bedarf an Waren zu versorgen. In unseren Zeiten werden auch Stars und Sportler eingekauft; einkaufen kann man sich auch in eine Organisation, vom Golfklub bis zum Aktienunternehmen.
  
'''Information:''' Kaufen (lat. caupo: Schenkwirt, Weinhändler; lat, cauponari: verschachern, verhökern; mhd. Kauf: Handel, Vertrag, Geschäft) bedeutet Kauf- und Tauschhandel treiben, ein- und verkaufen. Es hat so zentrale soziale und wirtschaftliche Bedeutung, dass es juristisch geregelt ist. Im italienischen cauponari wird ein abwertender Aspekt des Verkaufens deutlich, der dem Handels- und Kaufmannsstand anhängt. Wir kennen äußert angesehene Kaufleute, die auch zu machtvollen Senatoren und Bankern werden konnten, beneidete Pfeffersäcke und die gehassten und abgewerteten Händler und Kaufleute, die den Einkaufenden das Geld aus der Tasche ziehen, sie ausbeuten. Ein- und Verkaufen ist "Handel treiben" und zielt immer auf einen Gewinn, erfordert deswegen auch Vertrauen und ein Gefühl für Gerechtigkeit. Nicht umsonst gilt Hermes zugleich als Gott der Händler wie der Diebe und Taschenspieler.
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'''Information:''' Kaufen (lat. caupo: Schenkwirt, Weinhändler; lat. cauponari: verschachern, verhökern; mhd. Kauf: Handel, Vertrag, Geschäft) bedeutet Kauf- und Tauschhandel treiben, ein- und verkaufen. Das Kaufen hat so zentrale soziale und wirtschaftliche Bedeutung, dass es juristisch geregelt ist.
  
Märkte, Kaufhäuser und Läden bildeten schon immer Mittelpunkte städtischen Lebens. Im Mittelalter bildeten sich Märkte an festen Orten heraus, für die Marktrecht und sogar Marktfrieden galt. Sie standen unter besonderem Schutz der Fürsten und Bischöfe, konnten nur mit deren Erlaubnis gegründet werden. Handel spielt als Fernhandel in der Geschichte und Kulturgeschichte der Menschheit eine große Rolle: Über griechische Händler etwa gelangte das phönizische Alphabet nach Griechenland. Ab dem 12. Jahrhundert beherrschten große freie, oft von Kaufleuten und Kaufmannsfamilien regierte Handelsstädte wie etwa Venedig und Kaufmannsbünde wie die Hanse große Teile der Politik. Handels- und Gewinninteressen führten die Europäer auf Entdeckungsreisen, setzten die Globalisierung in Gang.
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Im italienischen cauponari wird ein abwertender Aspekt des Verkaufens deutlich, der dem Handels- und Kaufmannsstand anhängt. Wir kennen äußert angesehene Kaufleute, die auch zu machtvollen Senatoren und Bankern werden konnten, beneidete Pfeffersäcke und die gehassten und abgewerteten Händler und Kaufleute, die den Einkaufenden das Geld aus der Tasche ziehen, sie ausbeuten. Ein- und Verkaufen ist "Handel treiben" und zielt immer auf einen Gewinn, erfordert deswegen auch Vertrauen und ein Gefühl für Gerechtigkeit. Nicht umsonst gilt Hermes zugleich als Gott der Händler wie der Diebe und Taschenspieler.
  
Für viele Menschen ist das Einkaufen über die Notwendigkeit der Versorgung zugleich soziale Begegnung und darüber hinaus eine Freizeitbeschäftigung, der sie u.a. in Fußgängerzonen und Einkaufszentren und auf Märkten lustvoll nachgehen, seit einigen Jahren vermehrt auch im Internet. Im Urlaub gibt es kaum einen Ort, an dem einheimisches Leben des Urlaubsortes so spürbar werden wie beim Einkaufen auf den Märkten und Basaren oder in den Kaufhäusern und kleinen Läden. Diejenigen, die sich nichts kaufen können oder nur das Nötigste, sind in unseren reichen Industriestaaten die Armen.
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Handel spielt als Fernhandel in der Geschichte und Kulturgeschichte der Menschheit eine große Rolle: Über griechische Händler etwa gelangte das phönizische Alphabet nach Griechenland. Ab dem 12. Jahrhundert beherrschten große freie, oft von Kaufleuten und Kaufmannsfamilien regierte Handelsstädte wie etwa Venedig und Kaufmannsbünde wie die Hanse große Teile der Politik. Handels- und Gewinninteressen führten die Europäer auf Entdeckungsreisen, setzten die Globalisierung in Gang.
  
'''Interpretation:''' Einkaufen als Symbol gehört psychologisch gesehen in den großen archetypischen Raum des Mütterlichen und der Oralität, des Haben-Wollens bis hin zur Gier und zur Sucht. Einkaufen erfordert Vertrauen und lässt befürchten, dass uns jemand "bescheißen" könnte. Es gehört damit auch in den analen Erlebensraum. Zugleich ist Einkaufen ist ein beliebtes Tun, um sich narzisstisch aufzuwerten und den eigenen Status zu genießen. Blättern wir die Glamourmagazine durch, so finden wir z. B. häufig Fotos von Stars, die gerade mit ihren Einkaufstüten beladen aus Edelboutiquen kommen. Erfolg, Schönheit können so demonstriert werden. Potenz, Macht und Stärke werden mit dem Kauf von Statussymbolen betont. So kann man sich in eine begehrte Organisation einkaufen, man kann Liebe oder Sexualität "einkaufen". Wir werden mit Geld, mit Geschenken eingekauft, oder wir versuchen, uns mit Geschenken Freunde zu kaufen. Sich nichts kaufen zu können, wird als Mangel empfunden. Kinder und Jugendliche kompensieren in bestimmten Entwicklungsphasen diesen Mangel mit Diebstahl.
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Märkte, Kaufhäuser und Läden bildeten schon immer Mittelpunkte städtischen Lebens. Im Mittelalter bildeten sich Märkte an festen Orten heraus, für die Marktrecht und sogar Marktfrieden galt. Sie standen unter besonderem Schutz der Fürsten und Bischöfe, konnten nur mit deren Erlaubnis gegründet werden. Für viele Menschen war und ist das Einkaufen über die Notwendigkeit der Versorgung zugleich soziale Begegnung und darüber hinaus eine Freizeitbeschäftigung, der sie auf Märkten, in Fußgängerzonen und modernen Einkaufszentren lustvoll nachgehen, seit einigen Jahren vermehrt auch im Internet. Diejenigen, die sich nichts kaufen können oder nur das Nötigste, sind in unseren reichen Industriestaaten die Armen.
  
Einkaufen kann Belohnung und Gewinn ebenso wie Verlust sein, bedeutet zugleich Geben und Nehmen. Konfliktfreies, gesundes Einkaufen ist Ausdruck der Fähigkeit zuzugreifen, Chancen zu nutzen, sich für etwas zu entscheiden und zugleich bereit zu sein, dafür etwas einzusetzen und abzugeben. Einige Menschen reagieren auf ihre lustvollen Einkäufe deswegen  mit schlechtem Gewissen, Schuldgefühl oder kompensatorisch mit Geiz. Andere können die Macht des Geldhabens beim Einkaufen genießen. Manche möchten beim Einkaufen gerne Handeln oder Schachern, suchen gerne ihren eigenen Gewinn, sind auf Schnäppchenjagd, lieben orientalische Basare ebenso sehr wie Flohmärkte, haben eine Händlermentalität.
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Im Urlaub gibt es kaum einen Ort, an dem einheimisches Leben des Urlaubsortes so spürbar wird wie auf den Märkten und Basaren oder in den Kaufhäusern und kleinen Läden.
  
In schönen Situationen versuchen wir mit Einkaufen von Souvenirs verschiedenster Art etwas von unserer Stimmung zu erhalten, etwas zu behalten, uns nicht trennen zu müssen. So kaufen wir Lebensmittel ein, die uns an den letzten Urlaub erinnern sollen.
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'''Interpretation:''' Einkaufen als Symbol gehört psychologisch gesehen in den großen archetypischen Raum des Mütterlichen und der Oralität, des Haben-Wollens bis hin zur Gier und zur Sucht. Einkaufen erfordert Vertrauen und lässt befürchten, dass uns jemand "bescheißen" könnte. Es gehört damit auch in den analen Erlebensraum. Zugleich ist Einkaufen ein beliebtes Tun, um sich narzisstisch aufzuwerten und den eigenen Status zu genießen. Blättern wir die Glamourmagazine durch, so finden wir z. B. häufig Fotos von Stars, die gerade mit ihren Einkaufstüten beladen aus Edelboutiquen kommen. Erfolg und Schönheit können so demonstriert werden. Potenz, Macht und Stärke werden mit dem Kauf von Statussymbolen betont. So kann man sich in eine begehrte Organisation einkaufen, man kann Liebe oder Sexualität "einkaufen". Wir werden mit Geld, mit Geschenken eingekauft, oder wir versuchen, uns mit Geschenken Freunde zu kaufen. Sich nichts kaufen zu können, wird als Mangel empfunden. Kinder und Jugendliche kompensieren in bestimmten Entwicklungsphasen diesen Mangel mit Diebstahl.
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Einkaufen kann Belohnung und Gewinn ebenso wie Verlust sein, bedeutet zugleich Geben und Nehmen. Konfliktfreies, gesundes Einkaufen ist Ausdruck der Fähigkeit zuzugreifen, Chancen zu nutzen, sich für etwas zu entscheiden und zugleich bereit zu sein, dafür etwas einzusetzen und abzugeben. Einige Menschen reagieren auf ihre lustvollen Einkäufe deswegen  mit schlechtem Gewissen, Schuldgefühl oder kompensatorisch mit Geiz. Andere können die Macht des Geldhabens beim Einkaufen genießen. Manche möchten beim Einkaufen gerne Handeln oder Schachern, suchen gerne ihren eigenen Gewinn, sind auf Schnäppchenjagd, lieben orientalische Basare ebenso sehr wie Flohmärkte.
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In schönen Lebenssituationen versuchen wir mit Einkaufen von Souvenirs verschiedenster Art etwas von unserer Stimmung zu erhalten, etwas zu behalten, uns nicht trennen zu müssen. So kaufen wir auch Lebensmittel ein, die uns an den letzten Urlaub erinnern sollen.
  
 
Die Sucht einzukaufen hängt meist damit zusammen, dass der orale Bereich, das Haben-Wollen, das Sich-etwas-Gönnen, gesunde Aktivität und gesundes Zugreifen gestört ist. Ständig einkaufen zu müssen, ist oft auch ein Versuch, ein schwaches Selbstwertgefühl zu stabilisieren, sich mit äußeren Objekten aufzuwerten.
 
Die Sucht einzukaufen hängt meist damit zusammen, dass der orale Bereich, das Haben-Wollen, das Sich-etwas-Gönnen, gesunde Aktivität und gesundes Zugreifen gestört ist. Ständig einkaufen zu müssen, ist oft auch ein Versuch, ein schwaches Selbstwertgefühl zu stabilisieren, sich mit äußeren Objekten aufzuwerten.

Aktuelle Version vom 11. April 2012, 16:05 Uhr

Keyword: Einkaufen

Links: Dieb, Geld, Kaufhaus, Sammeln

Definition: Einkaufen bedeutet, sich gegen Geld mit dem Bedarf an Waren zu versorgen. In unseren Zeiten werden auch Stars und Sportler eingekauft; einkaufen kann man sich auch in eine Organisation, vom Golfklub bis zum Aktienunternehmen.

Information: Kaufen (lat. caupo: Schenkwirt, Weinhändler; lat. cauponari: verschachern, verhökern; mhd. Kauf: Handel, Vertrag, Geschäft) bedeutet Kauf- und Tauschhandel treiben, ein- und verkaufen. Das Kaufen hat so zentrale soziale und wirtschaftliche Bedeutung, dass es juristisch geregelt ist.

Im italienischen cauponari wird ein abwertender Aspekt des Verkaufens deutlich, der dem Handels- und Kaufmannsstand anhängt. Wir kennen äußert angesehene Kaufleute, die auch zu machtvollen Senatoren und Bankern werden konnten, beneidete Pfeffersäcke und die gehassten und abgewerteten Händler und Kaufleute, die den Einkaufenden das Geld aus der Tasche ziehen, sie ausbeuten. Ein- und Verkaufen ist "Handel treiben" und zielt immer auf einen Gewinn, erfordert deswegen auch Vertrauen und ein Gefühl für Gerechtigkeit. Nicht umsonst gilt Hermes zugleich als Gott der Händler wie der Diebe und Taschenspieler.

Handel spielt als Fernhandel in der Geschichte und Kulturgeschichte der Menschheit eine große Rolle: Über griechische Händler etwa gelangte das phönizische Alphabet nach Griechenland. Ab dem 12. Jahrhundert beherrschten große freie, oft von Kaufleuten und Kaufmannsfamilien regierte Handelsstädte wie etwa Venedig und Kaufmannsbünde wie die Hanse große Teile der Politik. Handels- und Gewinninteressen führten die Europäer auf Entdeckungsreisen, setzten die Globalisierung in Gang.

Märkte, Kaufhäuser und Läden bildeten schon immer Mittelpunkte städtischen Lebens. Im Mittelalter bildeten sich Märkte an festen Orten heraus, für die Marktrecht und sogar Marktfrieden galt. Sie standen unter besonderem Schutz der Fürsten und Bischöfe, konnten nur mit deren Erlaubnis gegründet werden. Für viele Menschen war und ist das Einkaufen über die Notwendigkeit der Versorgung zugleich soziale Begegnung und darüber hinaus eine Freizeitbeschäftigung, der sie auf Märkten, in Fußgängerzonen und modernen Einkaufszentren lustvoll nachgehen, seit einigen Jahren vermehrt auch im Internet. Diejenigen, die sich nichts kaufen können oder nur das Nötigste, sind in unseren reichen Industriestaaten die Armen.

Im Urlaub gibt es kaum einen Ort, an dem einheimisches Leben des Urlaubsortes so spürbar wird wie auf den Märkten und Basaren oder in den Kaufhäusern und kleinen Läden.

Interpretation: Einkaufen als Symbol gehört psychologisch gesehen in den großen archetypischen Raum des Mütterlichen und der Oralität, des Haben-Wollens bis hin zur Gier und zur Sucht. Einkaufen erfordert Vertrauen und lässt befürchten, dass uns jemand "bescheißen" könnte. Es gehört damit auch in den analen Erlebensraum. Zugleich ist Einkaufen ein beliebtes Tun, um sich narzisstisch aufzuwerten und den eigenen Status zu genießen. Blättern wir die Glamourmagazine durch, so finden wir z. B. häufig Fotos von Stars, die gerade mit ihren Einkaufstüten beladen aus Edelboutiquen kommen. Erfolg und Schönheit können so demonstriert werden. Potenz, Macht und Stärke werden mit dem Kauf von Statussymbolen betont. So kann man sich in eine begehrte Organisation einkaufen, man kann Liebe oder Sexualität "einkaufen". Wir werden mit Geld, mit Geschenken eingekauft, oder wir versuchen, uns mit Geschenken Freunde zu kaufen. Sich nichts kaufen zu können, wird als Mangel empfunden. Kinder und Jugendliche kompensieren in bestimmten Entwicklungsphasen diesen Mangel mit Diebstahl.

Einkaufen kann Belohnung und Gewinn ebenso wie Verlust sein, bedeutet zugleich Geben und Nehmen. Konfliktfreies, gesundes Einkaufen ist Ausdruck der Fähigkeit zuzugreifen, Chancen zu nutzen, sich für etwas zu entscheiden und zugleich bereit zu sein, dafür etwas einzusetzen und abzugeben. Einige Menschen reagieren auf ihre lustvollen Einkäufe deswegen mit schlechtem Gewissen, Schuldgefühl oder kompensatorisch mit Geiz. Andere können die Macht des Geldhabens beim Einkaufen genießen. Manche möchten beim Einkaufen gerne Handeln oder Schachern, suchen gerne ihren eigenen Gewinn, sind auf Schnäppchenjagd, lieben orientalische Basare ebenso sehr wie Flohmärkte.

In schönen Lebenssituationen versuchen wir mit Einkaufen von Souvenirs verschiedenster Art etwas von unserer Stimmung zu erhalten, etwas zu behalten, uns nicht trennen zu müssen. So kaufen wir auch Lebensmittel ein, die uns an den letzten Urlaub erinnern sollen.

Die Sucht einzukaufen hängt meist damit zusammen, dass der orale Bereich, das Haben-Wollen, das Sich-etwas-Gönnen, gesunde Aktivität und gesundes Zugreifen gestört ist. Ständig einkaufen zu müssen, ist oft auch ein Versuch, ein schwaches Selbstwertgefühl zu stabilisieren, sich mit äußeren Objekten aufzuwerten.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette